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Unsere Hochschulen dürfen nicht kaputtgespart werden

Protesttag gegen Kürzungen an Gießener Hochschulen - Bericht von Niklas Beick

Am 18. Juni haben wir als GEW-Studierende gemeinsam mit den Allgemeinen Studierendenausschüssen (ASten) der Justus-Liebig-Universität (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) zwei Demonstrationen in Gießen organisiert. Anlass war ein landesweiter Aktionstag der Gewerkschaften GEW und ver.di sowie der LandesAStenKonferenz (LAK), mit dem wir ein deutliches Zeichen gegen die drohenden Kürzungen im neuen Hochschulpakt gesetzt haben. Weitere Kundgebungen gab es zeitgleich in Kassel, Frankfurt, Fulda und Wiesbaden. 

Der Zustand der hessischen Hochschulen ist bereits jetzt dramatisch: Das Land Hessen hat im laufenden Landeshaushalt insgesamt 475 Millionen Euro aus den Baurücklagen der Hochschulen entnommen. In Marburg stürzte Ende 2023 ein Hörsaal ein; in Gießen musste ein weiterer geschlossen werden. Diese Ereignisse stehen sinnbildlich für den Zustand der Gebäude – an der JLU liegt der Grundsanierungsbedarf bei rund 67 Prozent. Marode Infrastruktur, überlastete Beschäftigte und eine sinkende Qualität in Studium und Lehre sind längst Realität. Trotzdem sieht der aktuelle Vorschlag der schwarz-roten Landesregierung für den neuen Hochschulpakt massive Kürzungen statt nötiger Investitionen vor. Ab 2026 droht ein Defizit von rund einer Milliarde Euro. Das würde bedeuten: Stellenabbau – rund 10 Prozent der Stellen; 5.000 Stellen sollen landesweit eingespart werden – schlechtere Studienbedingungen, weniger Betreuung und wachsende Unsicherheit für Beschäftigte wie Studierende. 

Was genau das für die Gießener Hochschulen bedeutet, ist noch unklar, aber fest steht: Überlastung, Prekarisierung und Zukunftsangst werden sich weiter verschärfen. Deswegen haben wir am 18. Juni gemeinsam protestiert – mit zwei Demonstrationen, die am Campus der THM und am Philosophikum II der JLU starteten und in einer gemeinsamen Kundgebung auf dem Berliner Platz mündeten. Rund 1.000 Menschen haben sich in Gießen beteiligt; landesweit waren es über 3.000. Unser gemeinsamer Ruf: Schluss mit dem Spardiktat – für eine auskömmliche Finanzierung unserer Hochschulen! 

Bei der Kundgebung sprachen zahlreiche Aktive: Natalie Maurer von der GEW-Betriebsgruppe an der JLU erinnerte die Landesregierung an ihre Verpflichtung, mehr Dauerstellen zu schaffen – eine Forderung, die wir in den Tarifverhandlungen zum TV-H 2024 erfolgreich erkämpfen konnten. Doch ohne solide Finanzierung drohen diese Versprechen leere Worte zu bleiben. Ich selbst habe als Sprecher der GEW-Studierenden Hessen gesprochen und betont: „Jede gestrichene Stelle – ob bei den wissenschaftlichen, administrativ-technischen oder studentischen Beschäftigten – bedeutet Überbelastung für alle anderen!“ Jenny Jörges (GEW) sprach für die DGB-Jugend, thematisierte die Situation der Studierenden und brachte es auf den Punkt: „Mehr Selbstausbeutung, weniger Gerechtigkeit! Und wenn du nicht mithalten kannst, heißt es schnell: Selbst schuld! Wir sagen: Nein. Wir sind nicht das Problem – das System ist es!“ 

Unsere beiden Hochschulen, JLU und THM, sind nicht nur Orte der Bildung, sondern zentrale Arbeitgeber und Innovationsmotoren in der Region. Wer hier spart, gefährdet den gesamten Standort Mittelhessen. Bildungskürzungen bedeuten Fachkräftemangel, Wettbewerbsverluste und soziale Spaltung. Deshalb haben wir eine landesweite Petition gestartet, die sich an den hessischen Finanzminister R. Alexander Lorz richtet – sie wurde bereits von über 11.000 Menschen unterzeichnet. Wer exzellente Forschung, gut ausgebildete Fachkräfte, faire Arbeitsbedingungen und Bildungsgerechtigkeit will, darf nicht an Hochschulen sparen. Die Petition kann hier unterzeichnet werden:

https://www.gew-hessen-aktiv.de/unterfinanzierung-beenden 

 

Im Koalitionsvertrag schreibt die hessische Landesregierung: „Wir stehen für Bildungsgerechtigkeit.“ Unser Protest zeigt: Worte allein reichen nicht – es braucht konkrete Taten. Zum Abschluss meiner Rede habe ich deshalb noch einmal eine klare Botschaft an die politischen Entscheidungsträger formuliert: „Ich möchte noch einmal Wissenschaftsminister Gremmels, Finanzminister Lorz und Ministerpräsident Rhein adressieren: Ihr seid verantwortlich! Ihr müsst für eine gute Finanzierung der Hochschulen sorgen! Und wenn ihr das nicht macht: Ihr seid verantwortlich für prekäre Arbeitsbedingungen, schlechte Studienbedingungen, Zukunftsangst und Überlastung! Wer nicht für notwendige Grundlagen sorgt, muss mit Widerstand rechnen.“ 

Die hessischen Hochschulen sind #unkürzbar – und wir werden nicht aufhören, dafür zu kämpfen. Weitere Aktionen sind bereits in Planung. Wir informieren alle Unterstützer*innen der Petition per E-Mail und halten auch über die sozialen Medien der GEW Hessen auf dem Laufenden. Wir freuen uns über breite Unterstützung! 

Niklas Beick, (GEW-Gießen, Sprecher der GEW-Studierenden Hessen und Mitglied des Senats der JLU Gießen), 23. Juni 2025