Kommentar - Was ist nur im Kultusministerium los?

Michael Scholz leitet jetzt das Schulamt in Gießen kommissarisch.

Am 1.9.2016 wurde Heinz Kipp, der ehemalige Leiter des Staatlichen Schulamts in Gießen, pensioniert, nachdem er seine reguläre Amtszeit um zwei Jahre verlängert hatte.

In dieser Zeit hätte das Hessische Kultusministerium problemlos eine zeitnahe Wiederbesetzung der Stelle des Schulamtsleiters vornehmen können.  Aber nichts war geschehen. Nach weiteren 18 Monaten war dem Ministerium eine Besetzung der Amtsleiterstelle immer noch nicht möglich. Es gab zwar zwischenzeitlich ein  Ausschreibungsverfahren, aber offensichtlich war es fehlerhaft, denn aufgrund einer erfolgreichen Konkurrentenklage führte es zu keinem Ergebnis.

Eine unverzügliche Neuausschreibung erfolgte nicht, stattdessen soll nun Michael Scholz, seit 2015 Leiter des Schulamtes in Weilburg, mit halber Stelle kommissarisch das Gießener Schulamt mitleiten.

Dass eine derartige Aufgabe nicht so nebenbei erledigt werden kann, zeigte 2016 der nach einem halben Jahr gescheiterte Versuch, das Schulamt in Frankfurt von der Leiterin des Schulamtes in Friedberg kommissarisch betreuen zu lassen.

Auch ein Ministerium könnte aus Fehlern lernen.

Eine Voraussetzung für das Gelingen einer derartigen kommissarischen Zwischenlösung ist auch eine gute Stellvertretung vor Ort.  Volker Karger, stellvertretender Amtsleiter in Gießen, hatte nach dem Weggang Kipps das Schulamt sehr kompetent kommissarisch geleitet. Er soll nun mit halber Stelle an das Kultusministerium abgeordnet werden. Eine Entscheidung, die in diesem Zusammenhang nicht zu verstehen ist.

Welche Absicht verfolgt das Kultusministerium mit dieser Vorgehensweise? Im schlimmsten Fall bleibt die Vermutung, dass man den Ausgang der Landtagswahl abwarten möchte, um ein altes Ziel wieder aufzugreifen, durch eine weitere Zusammenlegung der Staatlichen Schulämter zentrale Strukturen zu schaffen.

Zentralismus in der Bildungsverwaltung ist ein Irrweg angesichts der wachsenden Aufgaben und Probleme an den Schulen. Kompetenz vor Ort, die Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und die Nähe zu Bürgern ist durch die bestehenden Staatlichen Schulämter besser gewährleistet.

Haben die Verantwortlichen im Kultusministerium aus der gescheiterten Errichtung eines Landesschulamtes nichts gelernt?

Peter A. Müller

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